Während einer 20-stündigen Bahnfahrt von der Taklamakan-Wüste in den Nordwesten Chinas, hatte ich diese Art von Demut, Bildung und mehr als alles andere, wunderbare Begegnung mit einem Einheimischen nach der sich jeder Reisende sehnt. Ein junger Han Chinese kam im Zug auf mich zu. Mein neuer Freund sprach praktisch kein Englisch, so konnte ich also mein Chinesisch üben.

Mehrere Stunden lang erzählte er mir davon, wie er eine zweijährige Fachschule besucht hat, um schnell einen Job im Straßenbau zu finden. Er will seiner jüngeren Schwester helfen, die Schulgebühren zu bezahlen. Sie würde ab nächstem Jahr die Universität besuchen. Am bemerkenswertesten war jedoch die Tatsache, dass dieser Mann noch stundenlang nach einem körperlich anstrengendem Tag, fleißig lernte. Ohne eine Miene zu verziehen, zitierte er Ralph Waldo Emerson, ein Philosoph aus den USA, um danach nach dem Ansehen amerikanischer Schriftsteller und Literatur im Allgemeinen zu fragen. „Und was lernt ihr alles über russische Autoren?“, frage ich ihn irgendwann.

Es wäre ziemlich einfach gewesen, mich auf Vorurteilen gegenüber diesem schmutzigen Straßenbauer, der noch nie weiter als ein paar hundert Meilen von zu Hause weg war, auszuruhen. Aber diese informierte, gebildete und bewundernswerte Person hinderte mich daran. Im Laufe der Zeit wurde mir gezeigt, wie viel man von einer Reise mit offenen Geist und Kopf gewinnen kann. Diese Bereitschaft mit Einheimischen in Kontakt zu treten, kann alle Facetten des Lebens bereichern.